Sonntag, 22. August 2010

5. Friesisch-Keltische Nacht

Musikalisch alles andere als flach
wj Leezdorf. „Flach, salzig und schön“ - das sind die speziellen Merkmale, die Nordfriesland mit Ostfriesland verbinden. Das meint jedenfalls Thomas Wieder von der Gruppe „Drones & Bellows“. Das im dänisch-deutschen Grenzgebiet um Tønder beheimatete Quartett trat am vergangenen Freitag gemeinsam mit dem schottischen Liedermacher Brian McNeill (siehe Foto) und der friesischen Folk-Formation „Laway“ im Rahmen der 5. Friesisch-keltischen Nacht in Leezdorf auf. Wenn die Zuschauerresonanz insgesamt ein bisschen geringer ausfiel als in den voran gegangenen Jahren, so lag dies bestimmt nicht an der Musik. Denn die war gewiss alles andere als flach.

Den Auftakt der Veranstaltung machten „Laway“. Die Truppe um Frontmann Gerd „Balou“ Brandt hatte erst kürzlich bei der Wiesmoorer Freilichtaufführungen des Stückes „Barkhahn un Blitz“ für die Gestaltung des musikalischen Programms gesorgt (wir berichteten) und präsentierte sich am Freitag entsprechend eingespielt. Da „Laway“ regelmäßig auch den „Soundtrack“ zu den Störtebeker-Festspielen in Marienhafe liefern, haben sie zum Brookmerland naturgemäß eine sehr enge Verbindung. Nicht von ungefähr bildeten daher Lieder aus der Störtebeker-Inszenierung von 2008 „De See gifft, de See nimmt“ einen der Schwerpunkte des Konzertes in Leezdorf. Seit 2009 liegt mit „Brood un Rosen“ ein neuer Tonträger vor, der außer zeitgenössischem (platt)deutschen Folk anglo-amerikanischer Prägung, wie man ihn bisher von „Laway“ kannte, Couplets und Chansons von den Hamburger Gebrüdern Wolf oder dem Berliner Komiker Otto Reutter. Hinzu kommt explizit politisches Liedgut, das z.B. alten Handwerkerliedern aus dem 19. Jahrhundert und Protest-Songs aus der Weimarer Republik umfasst. Sowohl die Chansons als auch die politischen Lieder kamen am Freitag beim Leezdorfer Publikum gleichermaßen gut an. Trotzdem sollte der Spaß nicht zu kurz kommen. Dafür lockerten „Laway“ ihr Programm mit instrumental interpretierten folkloristischen Tänzen wie die „Maienhaav Mazurka“ oder „Weihende Rocken“ auf.

Nach einem etwas längeren „Soundcheck“ konnten „Drones & Bellows“ hier nahtlos anknüpfen. Die vier Mitglieder stammen aus Deutschland, Dänemark und Schottland. Weil alle irgendwie ihren Teil zum gemeinsamen Repertoire beisteuern und jeder von ihnen mehrere Instrumente beherrscht, ergibt sich daraus eine höchst eigenwillige Mischung, die von sagenhaften Märchenerzählungen über abenteuerliche Walfängergeschichten bis hin zu zünftigen Tanz- und Trinkliedern ein ungewöhnlich breites folkloristisches Spektrum abdeckt. Damit sprang der Funke am Freitag beim Leezdorfer Publikum sofort über. Nach den ersten Instrumentalnummern gesellte sich schließlich Brian McNeill auf die Bühne und zeigte zunächst mit einer kleinen Solo-Einlage, was für ein ausgezeichneter Geiger er ist. Anschließend musizierte er gemeinsam mit „Drones & Bellows“ weiter, wobei er sich abwechselnd wahlweise mit Gitarre, Cister oder Concertina begleitete. Mit Abstand am überzeugendste gerieten bei dem Schotten vor allem die von der Instrumentierung her eher sparsam gehaltenen Eigenkompositionen, die seine heraus ragenden Qualitäten als Songschreiber besonders gut zur Geltung brachten. Die schnelleren Lieder waren ebenfalls nicht schlecht. Nur dauerte es eben eine Weile und bis sich endlich ein Pärchen aus dem Publikum erbarmte, um vor der Bühne einen Walzer zu tanzen. Der Einsatz wurde von „Drones & Bellow“ mit einer kostenlosen CD belohnt. Das konnte jedoch letztlich auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Veranstaltung nicht nur angesichts der angenehmen Temperaturen von selbst kurz vor Mitternacht noch knapp unter 20 Grad ein paar mehr Zuschauer durchaus verdient gehabt hätte.
(Ostfriesische Nachrichten vom 23. August 2010)