Freitag, 1. Juli 2011

INTERVIEW mit Chris Barber

"Es lohnt sich, diese Musik gut zu spielen"
wj Aurich/London. Nicht nur wegen seiner Hits wie „Ice Cream“ oder „Petite Fleur“ gilt er als eine der Schlüsselfiguren des traditionellen Jazz in Europa. Ganz nebenbei ist Chris Barber auch stets ein engagierter Förderer des Blues gewesen und hat damit Legionen von Rockmusikern und -gruppen den Weg geebnet. „Beatles“, „Rolling Stones“, „Led Zeppelin“, Eric Clapton, Van Morrison oder Eric Burdon sind nur ein paar Namen, die ohne den britischen Posaunisten und Bandleader heutzutage vielleicht gar niemand kennen würde. Im nachfolgenden Interview lässt Chris Barber die wichtigsten Stationen seiner langjährigen Karriere noch einmal Revue passieren.

Frage: Wie sind Sie zur Musik gekommen?
Chris Barber: Mein Vater liebte Musik. Er hat Violine gespielt. Ich glaube, er war ganz gut. Jedenfalls spielte er in einem Sinfonieorchester, das er in seinen letzten Jahren auch geleitet hat. Also muss er schon ziemlich gut gewesen sein. Bei uns zu Hause habe ich ihn nie spielen gehört. Ich wusste lediglich, dass er eine Violine besaß. Was ich gehört habe, das waren seine Schallplatten. Das waren damals noch Schellack-Platten. Da brauchte man fünf oder sechs Stück für ein komplettes Violinenkonzert von Beethoven. Als ich fünf oder sechs Jahre alt war habe ich mir die entsprechenden Labels der Platten gemerkt, wo die Passagen drauf waren, die mir gut gefielen.

Frage: Was war mit Jazz?
Barber: Vor dem Zweiten Weltkrieg habe ich gar keinen Jazz gehört. Damals lief nicht dauernd und immer Musik, wie das heutzutage überall der Fall ist. Selbst im Radio gab es während meiner Kindheit fast nur ernste Programme, in denen viel gesprochen wurde. Erst irgendwann mitten im Krieg – da muss ich so zwölf oder dreizehn Jahre alt gewesen sein - begann die BBC, auf einem Kanal ein durchgängiges Tagesprogramm zu senden. Das mussten die natürlich irgendwie gefüllt kriegen, und da wurde viel Musik gespielt. Weil sie damit keine Erfahrung hatten, haben die sich aus einem Stapel Platten wahllos einzelne Scheiben herausgepickt. Manchmal, wenn ihnen ein „Fehler“ unterlief und sie nicht genau wussten, was das für Musik war, meinten die Ansager: „Nun, ich glaube, das muss eben wohl Jazz gewesen sein....“

Frage: Galt Jazz im Hause Barber also nicht als verrucht und verpönt?
Barber: Ich mochte die Musik und war politisch gut informiert, weil innerhalb unserer Familie linksliberale Ansichten vertreten wurden. Natürlich gab es auch die erzkonservative britische Tradition, die sich phasenweise stark dem Faschismus annäherte. Edward VIII, der König, der dann doch kein König wurde, war bekanntlich ein Bewunderer von Herrn Hitler. Leute aus dieser Ecke haben Jazz natürlich gehasst. Trotzdem haben es die Faschisten zum Glück nicht geschafft, den Jazz zu stoppen. Genauso wenig wie nach dem Krieg die Funktionäre der kommunistischen Staaten, die Jazz ebenfalls nicht mochten. Auch die konnten ihn letztlich nicht aufhalten.

Frage: Wie kam der Schritt zur Live-Musik? Warum fiel Ihre Wahl auf die Posaune?
Barber: Die Posaune habe ich rein zufällig für mich entdeckt.
(Die komplette Fassung dieses Interviews gibt es nachzulesen in der Zeitschrift JAZZ PODIUM 7/8 2011)
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