Freitag, 14. Mai 2010

KINO - ROBIN HOOD

wj Aurich. Man kennt ihn als den Rächer der Enterbten und Beschützer von Witwen und Waisen. Praktisch seit die Bilder laufen gelernt haben, ist der Mythos von Robin Hood unzählige Male verfilmt worden. Der erste Streifen stammt aus dem Jahre 1912. Jetzt hat sich Ridley Scott („Alien“, „Blade Runner“, „Gladiator“) den Stoff vorgenommen und mit Russell Crowe in der Hauptrolle für die Kinoleinwand neu aufbereitet.

Die Geschichte spielt in der Zeit, bevor Robin Hood zum Gesetzlosen ernannt wird. Wir schreiben das 13. Jahrhundert, und die englische Nation ist am Boden zerstört. Während sich die Armee von König Richard Löwenherz (Danny Huston) in fernen Ländern bei den verheerenden Kreuzzügen aufreibt, muss die Bevölkerung daheim am Hungertuch nagen und wird zu allem Überfluss auch noch von der Krone mit überhöhten Steuern ausgebeutet. Als der König im Kampf gegen die Franzosen fällt, bringt das keine Verbesserung. Eher im Gegenteil. Denn nun besteigt Richards völlig inkompetenter und eingebildeter Bruder John (Oscar Isaac) den englischen den Thron. Mitten in dieser heiklen politischen Situation will der gewöhnliche Bogenschütze Robin Longstride (Russell Crowe) aus dem Krieg in seine Heimat zurückkehren. Um seine Perspektiven für die Zukunft etwas aussichtsreicher zu gestalten, hat er sich die Rüstung eines gefallenen adligen Ritters angelegt. Kurz bevor er das Schlachtfeld verlässt, ringt der Edelmann Sir Robert Loxley (Douglas Hodge) Robin jedoch das Versprechen ab, dass dieser seinem alten Vater in Nottingham sein Schwert überbringen soll, um so seine Ehre zu retten. Der Bogenschütze willigt ein und schlüpft daraufhin selber in die Rolle des verstorbenen Adligen. Das Verwechslungsspiel stößt bei den Loxleys nach anfänglicher Skepsis durchaus auf Verständnis. Die Familie muss nämlich ständig Willkürakte des neuen Königs befürchten und kann jeden nur erdenklichen Schutz sehr gut gebrauchen. Robin sammelt unterdessen eine Schar getreuer Gefährten um sich und kommt gemeinsam mit ihnen einem bösen Komplott auf die Spur: Der undurchsichtige Edelmann Godfrey (Mark Strong) treibt am Hofe des englischen Königs ein doppeltes Spiel und versucht, seine Heimat zu seinem eigenen Vorteil zu verraten. Das wollen Robin und seine Männer nicht so einfach hinnehmen und beschließen, dem Verräter und seinen Leuten, den Kampf anzusagen.....

Bereits in „Gladiator“ konnten Regisseur Ridley Scott und sein Hauptdarsteller Russell Crowe als kampferprobtes Team einige glanzvolle Akzente setzen. Auch in dieser Neuverfilmung von Robin Hood liegt eine der besonderen Stärken in den ebenso perfekt wie üppig ausgestatteten Kampf- und Schlachtszenen. Bei dem Versuch, den Mythos des Rächers der Enterbten, der ja tatsächlich gelebt haben soll, eine gewisse historische Authentizität zu verpassen, wird der zeitgeschichtliche Bogen aber bisweilen ein wenig überspannt.. Die „Magna Carta“ findet bei Ridley Scott rund 15 Jahre zu früh statt. Der französische Landungsversuch am Strand von Dover, den Russell Crowe und seine Bogenschützen im Film erfolgreich abwehren, hat in Wirklichkeit geklappt. Im Jahre 1216 zogen die Franzosen in London ein. Die weit verbreitete Legende, seit der berühmt-berüchtigten Schlacht von Hastings von 1066 wären sämtliche Angriffe auf die britische Insel erfolgreich zurück geschlagen worden, stimmt eben nicht. Den von vielen erwarteten großen Wurf hat Ridley Scott mit seinem Streifen deswegen vielleicht nicht gelandet. Ein solides Abenteuer- und Actionspektakel, das über zwei Stunden beste Kinounterhaltung bietet, ist dabei trotzdem noch herausgekommen.
(Ostfriesische Nachrichten vom 15. Mai 2010. Trailer: Universal)