Sonntag, 19. September 2010

Matze Knop - Operation Testosteron

Eigenes Profil kommt etwas zu kurz
wj Aurich. Ob Dieter Bohlen, Franz Beckenbauer oder „Loddar“ Matthäus – aus dem Fernsehen kennt man Matze Knop als Mann mit tausend Masken und Gesichtern. Am vergangenen Freitagabend erlebten rund 400 Zuschauer in der Auricher Stadthalle den Parodisten einmal über weite Strecken ungeschminkt. Das aktuelle Bühnenprogramm „Operation Testosteron“ geriet zwar absolut solide und war über weite Strecken ausgesprochen unterhaltsam, ließ dann aber doch oft eine eigene Note vermissen.

 Wie die meisten seiner Kollegen beschäftigt sich auch Matze Knop in seinem Programm vorrangig mit den allgemeinen Verständigungsschwierigkeiten zwischen Mann und Frau. Allerdings hat man etliche der von ihm beschriebenen Situationen inklusive der meisten Pointen so oder zumindest in ähnlicher Form schon einmal irgendwo anders gehört. Da wäre zum Beispiel das klassische Szenario in einem Schuhgeschäft, wo die Frau stets jede Menge Geld zu lassen pflegt, obwohl ihr Schuhschrank daheim ohnehin schon längst überquillt. Und falls der Mann ausnahmsweise einmal für sich ein paar tolle Fußballschuhe findet, kriegt er dann von ihr zu hören: „Was? 200 Euro für Fußballschuhe? Bist du wahnsinnig? Das kostet ja genauso viel eine halbe Handtasche.“

Sobald ein Kalauer sich anbietet, greift Matze Knop ihn dankbar auf, egal wie abgegriffen und platt er auch sein mag. Dass es in der Schickimicki-Metropole Düsseldorf fast billiger ist, in zweiter Reihe zu parken und sich abschleppen zu lassen, statt die dort üblichen reguläre Parkgebühren zu bezahlen, diesen Witz hatte schon das 1999 verstorbene Kölner Original Willy Millowitsch gerne erzählt. Viele aktuellere Pointen von Matze Knop bewegen sich auf einem ähnlich banalen Niveau. Als beliebtesten Deutschen in Griechenland nennt er den Fußballtrainer Otto Rehagel, weil der die griechische Nationalmannschaft 2004 zum Europameistertitel geführt hat. Seitdem wäre die Lieblingslektüre der Hellenen der Otto-Katalog und sie würden an die griechisch-“ottodoxe“ Kirche glauben. Pech bloß, dass Erfolge bei Fußballfans und -funktionären sehr schnell in Vergessenheit geraten. Als es bei der diesjährigen Fußballweltmeisterschaft nicht mehr so gut lief, musste „Rehakles“ seinen Trainerjob bekanntlich aufgeben. Matze Knop hat in seinem Programm noch ein paar weitere Altlasten, die er nach wie vor bedient, obwohl sie im Prinzip niemanden mehr großartig interessieren. Eine davon ist der Bayern Münchens einstiger Stürmerstar, Luca Toni, der heute wieder in Italien kickt und bei der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika nicht einmal im Aufgebot der italienischen Nationalmannschaft stand. Der ist wahrscheinlich genauso weg vom Fenster wie die ehemalige DSDS-Heulboje Daniel Küblböck, von dem Matze Knop ja selber im ON-Interview meinte, eine derartige Witzfigur wäre auch für ihn von eher „geringem Parodiewert“ (wir berichteten).

Wenn er Küblböcks letzte öffentlichkeitswirksame Aktionen – ein Verkehrsunfall mit einem Gurkenlaster und der Verzehr von Kakerlaken im RTL-„Dschungelcamp“ - trotzdem bis heute in seinem Bühnenprogramm anspricht und parodiert, dann vermutlich hauptsächlich deswegen, weil das bei den Zuschauern eben doch immer noch für den ein oder anderen Lacher gut ist. Eine eigene persönliche Note bleibt dabei allerdings häufig auf der Strecke. Dies heißt nicht, Matze Knop wäre langweilig. Ganz im Gegenteil, die meisten seiner Geschichten sind glänzend erzählt und haben jede Menge Witz. Manchmal schimmert gar ein bisschen eigenes Profil durch, wie zum Beispiel bei der Schilderung einer Urlaubsreise, wo der Kapitän während der Begrüßung seiner Fluggäste erst einmal laut darüber nachdenken muss, wohin denn die Reise heute gehen soll. Ungemein plastisch und lautmalerisch wunderbar in Szene gesetzt gerät zudem die anschließende Lagebeschreibung auf der engen Bordtoilette inklusive dem Imitieren der „Flusch“-Geräusche der WC-Spülung.

Absolut herausragend sind und bleiben darüber hinaus Matze Knops Parodien mehr oder minder prominenter Zeitgenossen. Wenn er als „Mega-Män“ Dieter Bohlen seinen ehemaligen „Modern Talking“-Busenfreund Thomas Anders zu einem aller letzten Comeback überreden will oder als völlig übermotivierter BVB-Trainer Jürgen Klopp total ausflippt und einfach „alles nur geil“ findet, glaubt man stellenweise tatsächlich fast, die Originale vor sich zu haben. Das ist hohe Unterhaltungskunst, bei der so schnell niemand einem Matze Knop das Wasser wird reichen können. Hier zeigt er wirklich einmal durch und durch eigenständiges Profil. Schade ist nur, dass gerade diese Einlagen wohl wegen der zeitaufwendigen Masken und Verkleidungen im Bühnenprogramm zumeist lediglich als Einspielung per Videoclip zu sehen sind. So etwas kann man sich dann aber auch genauso gut daheim im Fernsehen oder auf einer DVD anschauen.
(Ostfriesische Nachrichten vom 20. September 2010)