INTERVIEW mit Chris Barber

"Blues kann man auch auf der Posaune spielen"
Er hat Elvis Presley, die „Beatles“ plus etliche weitere Legenden überlebt und einige von ihnen auch nachhaltig musikalisch beeinflusst. Bis zum vergangenen Jahr trat Chris Barber mit seiner Band sogar regelmäßig live auf. Am 17. April 2020 feiert das britische Jazz-Urgestein seinen 90. Geburtstag. Aus diesem Anlass ließ er im folgenden Interview mit Werner Jürgens noch einmal einige Höhepunkte seiner ereignisreichen Karriere Revue passieren. 

Frage: Wann sind Sie das erste Mal mit Jazz in Berührung gekommen? 
Barber: Vor dem Zweiten Weltkrieg habe ich gar keinen Jazz gehört. Im Radio gab es während meiner Kindheit fast nur ernste Programme, in denen viel gesprochen wurde. Erst irgendwann mitten im Krieg – da muss ich so zwölf oder dreizehn Jahre alt gewesen sein - begann die BBC, auf einem ihrer Kanäle ein durchgängiges Tagesprogramm zu senden. Das mussten die natürlich irgendwie gefüllt kriegen, und da wurde viel Musik gespielt. Weil sie damit keine Erfahrung hatten, haben die sich aus einem riesigen Stapel Platten wahllos einzelne Scheiben herausgepickt. Manchmal, wenn ihnen ein „Fehler“ unterlief und sie nicht genau wussten, was das für Musik war, meinten die Ansager: „Nun, ich glaube, das muss eben wohl Jazz gewesen sein....“ 

Frage: Wie kam der Schritt zur Live-Musik? Warum fiel Ihre Wahl auf die Posaune? 
Barber: Die Posaune habe ich rein zufällig für mich entdeckt. Gekauft habe ich sie eigentlich nur deswegen, nachdem ich gesehen hatte, dass sie sehr billig war. Ich habe mir ein bisschen was selber beigebracht und wurde schnell Mitglied in einer Amateur-Jazzband. So was gab es in der Zeit, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, überall in Europa, auch in Deutschland. Das Schöne gerade am traditionellen Jazz ist ja, dass man nicht unbedingt ein Experte sein muss, um diese Musik halbwegs akkurat spielen zu können. Wenn man für ein Wörterbuch definieren müsste, was einen Amateur-Jazzmusiker ausmacht, lautet die Antwort: Er ist ein Jazzliebhaber, der Zugang zu einem Instrument hat. 

Frage: Wie vollzog sich der Schritt vom Amateur zum Profi? 
Ausführliches Interview in der Rheiderland Zeitung vom 16. April 2020